Immer wieder liest man in sozialen Netzwerken und Foren über die Frage, welche Edition man spielt.

Und natürlich findet sich jedes Mal darunter auch eine hitzige Debatte darum, welche Edition bevorzugt bis gehasst wird. Das war bei der Umstellung von 3 auf 4 bereits so und es ist jetzt bei der Umstellung von 4 auf 5 so. Und es war vermutlich bei jeder Editionsumstellung so, allerdings nicht in Form von Diskussionen im Internet.

Und nachdem meine Antwort auf eine Umfrage immer länger und länger wurde, habe ich beschlossen, direkt einen eigenen Artikel zu schreiben und nicht nur eine Antwort auf einen Post in einem Netzwerk.

Grundsätzlich bin ich erst mal überhaupt nicht gegen eine neue Edition.

Im Gegenteil! Ich fand die Idee einer neuen DSA Edition hervorragend. Durch die Umfrage unter den Spielern hatten wir es ja sogar teilweise selber in der Hand. Und meine ersten Eindrücke sagen mir: Gut gemacht! Die Regeln sind schnell und einfach erklärt. Jeder Neuling kommt relativ schnell in das System. Immer im Gegensatz zur 4. Edition betrachtet!
Dazu gibt es jetzt ein Regelwiki, durch das letztlich die Regelbücher nicht alle vorhanden sein müssen. Das Kampfsystem ist noch schneller als bei der 4. Edition (die ja bereits durch die niedriger bleibenden LE alleine alles verschnellert hatten). Die Kennzeichnung, was eine wichtige Regel ist und was nur zum Spielgefühl beiträgt ist besser, als die ganzen „Sonderregeln“ der 4. Edition. Und zuletzt – wobei das sicherlich im Auge des Betrachters liegt – sind die Bücher um einiges hübscher als die vorherigen.

Aber all das schafft es bei mir nicht, mich für eine sofortige Umstellung zu entscheiden.

Denn auch wenn ich auf Anhieb gar nicht viel zu meiner Kontraliste packen kann, das Wenige ist entscheidend genug, mich vorerst gegen die 5. Edition zu entscheiden.

Die Aufteilung der Bücher

In der 4. Edition gibt es die „Wege“ Bücher. Angefangen mit „Wege der Helden“, mit dem ich jeden Held Aventuriens erschaffen kann. Rasse, Kultur, Profession – alles in einem Buch, mit jeweils einer kurzen Beschreibung, die ausreicht um sich einen Einblick zu verschaffen und zu entscheiden, ob mein Held in die eine Richtung oder die andere passt. Darin enthalten sind sowohl profane, über kämpfende, zu magischen und geweihten Professionen. Eben einfach ALLE!
Dazu gibt es das Buch „Wege des Schwerts“ und damit habe ich nicht nur die Waffen und deren Werte, sondern auch ausführliche Beschreibungen der Kampfregeln, Talenteinsatz, Sonderfertigkeiten und und und.
Bei Wege der Zauberei und Wege der Götter gilt genau das Gleiche.

Ich brauche also maximal diese 4 Bücher um jedweden Helden zu erschaffen, den ich erschaffen möchte. Einzelne zugefügte Professionen z.B. aus „Stäbe, Ringe, Dschinnenlampen“ oder des ein oder anderen Regionalbandes mal ausgenommen. Das sind – wie gesagt – Einzelfälle.

Das heißt natürlich auch, dass ich als Meister problemlos einen Überblick habe, was NSCs und/oder SCs wenigstens können. Ja, natürlich kann ich als Meister immer noch selber entscheiden, was dieser Charakter kann. Das muss auch nicht unbedingt logisch sein. Aber der studierte Mediziner kommt nun mal vermutlich eher aus Al’Anfa, Vinsalt oder (was war die dritte?) Methumis(?), als aus Gradnochsjerpengurken. Mit dem „Wege der Helden“ Band finde ich das ziemlich schnell heraus. Ist das bei DSA5 auch so? Ich denke nicht.

Erstens: Im Grundregelwerk gibt es noch gar nicht sämtliche Professionen. Damit gibt es auch keinen Überblick, was es überhaupt gibt. Nicht mal die 12 alveranischen „Vollgötter“-Geweihten gibt es in Gänze. In einer Welt, in der die Götter bereits über Dere gewandelt sind und allgemein eigentlich eine ziemlich große Rolle spielen, ziemlich komisch.

Zweitens: Wenn im Grundregelwerk eine Profession drin ist, heißt das nicht, dass man damit schon alle Informationen hat, in welche Richtung sich das entwickeln kann. Ein Beispiel dafür sei hier der Phexgeweihte. Im Grundregelwerk bereits vorhanden. Einige Liturgien auch, aber nicht das Gesamt-Paket. Dafür brauche ich bereits „Aventurisches Götterwirken“. Blöd nur, dass da die Sachen aus dem Grundregelwerk nicht noch einmal auftauchen und ich demnach für die Erstellung des Phexgeweihten plötzlich 2 Bücher brauche. Dabei ist jetzt noch davon auszugehen, dass auch für eine der noch folgenden Kulturen wieder andere Werte oder auch nur Angaben in einem 3. Buch stehen könnten. Um einen Phexgeweihten aus dem Bornland zu spielen benötige ich also das Grundregelwerk für die Erstellung des ganz normalen Phexgeweihten, Aventurisches Götterwirken, um ihm noch die ein oder andere Liturgie mit auf den Weg zu geben, die nicht Standard ist oder eine passende weitere Sonderfertigkeit oder ein Vorteil dazu zu nehmen und dann benötige ich – wahrscheinlich – auch noch die Regionalbeschreibung des Bornlandes, in dem die Phexgeweihten, die als Angestellte der Festumer Warenschau vielleicht auch noch mal was anderes können. Wenn ich dann am Spieltisch sitze und mir blöderweise nicht mehr einfällt, was denn die jeweilige Liturgie eigentlich kann, muss ich mich durch 3 Bücher wühlen, anstelle einfach den Band „Wege der Götter“ zu schnappen und dort auf jeden Fall diese Liturgie zu finden. Das mag bei manchen Professionen weniger schlimm sein, bei anderen wird es aber sicherlich extrem – spätestens wenn man einen Veteran spielt, der sein Zweitstudium sonst wo abgeschlossen haben mag.
Für Leute wie mich, die Helden aus verschiedensten Regionen Aventuriens spielen, werden das bald schon eine geraume Menge an Büchern. Und wenn ich den Regelwiki nicht dazu nehme, wird das schnell auch eine ganze Menge Gesuche. „War das ein Zauber, der vor allem in dieser und jener Gegend gebraucht wurde oder ist der Standard?“
Ja, wir leben im digitalen Zeitalter und ja, ich benutze den Computer sehr oft für meine Recherchen – schon vor dem Regelwiki. Im Wiki Aventurica hat man schnell Buch und Seite gefunden und konnte dann nachschlagen. Aber – ob man es glaubt oder nicht – in meiner Runde gibt es jemanden, der zu Hause keinen PC, kein Tablet und außer am Smartphone kein Internet hat. Ich sagte ja auch bereits, dass ich „Regelwiki“ für eine hervorragende Idee halte.
Trotzdem gibt es doch auch heute noch sehr viele Gruppen, die der Meinung sind, dass man nicht mit PC am Spieltisch sitzen muss – und das finde ich auch durchaus berechtigt.

Drittens: Ich kann jetzt nur aus meiner Sicht sprechen: Als Spielleiter will ich ein paar Dinge über die Helden, die im Abenteuer spielen werden, vorher wissen. Was kann der Verwandlungsmagier aus Lowangen auf jeden Fall? Ein Blick in „Wege der Helden“ verrät mir schon mal die Ausrichtung der Schule, die Hauszauber und die bekannten Sprüche. Grundinformationen sind also schnell gegeben. Dafür brauche ich jetzt also nicht eine Regionalspielhilfe über Lowangen, ich brauche nicht mal „Wege der Magie“. Auch Rasse und Kultur sind in Kurzform darin enthalten. Wenn ich das Abenteuer in Lowangen spielen lasse – dann kann ich mir die Regionalspielhilfe dazu nehmen. Spielt das Abenteuer aber in Al’Anfa, dann schnappe ich mir „In den Dschungeln Meridianas“. Will heißen: Die Übersichtlichkeit der 4. Edition ist bedeutend höher. Ich kann dazu kaufen, je mehr ich über eine bestimmte Sache oder Gegend oder oder oder… wissen will.

Für meinen persönlichen Spielfluff ist die Aufteilung der 4. Edition also deutlich schöner, als die 5. Edition.

Fazit

Für Neulinge ist DSA5 garantiert die bessere Edition.

Für Leute, die noch etwas auf alle Erweiterungen warten können und dann mit dem Regelwiki arbeiten vielleicht auch.
Für Leute, die lieber in Büchern kramen und dabei die Übersichtlichkeit behalten wollen, ist DSA4.1 die bessere Edition.

Andere Punkte die gerne kritisiert werden

Geweihte sind nur noch Karmalzauberer? Blödsinn! Auch göttliches Wirken braucht nun mal irgendwelche Regeln, wenn man Geweihte als Spielercharaktere auch weiterhin behalten möchte. Für Gruppen, in denen der Meister göttliches Wirken nicht selber entscheiden möchte, ist die „Karmalzaubervariante“ auf jeden Fall sinnvoll und führt zu einem besseren Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Heldentypen, während Gruppen mit mystischer Spielweise dem Meister auch weiterhin die Entscheidung obliegen sollte, welches karmale Wunder nun geschieht und welches nicht… und ob sich der Geweihte göttergefällig genug verhalten hat, dass seine Karmaenergie zurück kommt oder auch hier eben nicht. Und für alles dazwischen gibt es „Hausregeln“.

Womit wir schon bei einem weiteren Punkt wären. Die „Hausregeln“. Viele haben einfach keine Lust darauf, sich selber Regeln erstellen zu müssen. Zumindest kommt das in den Diskussionen um die Editionsfrage auch immer wieder zur Sprache. Rollenspiele sind Arbeit. Je weniger Arbeit man haben will, desto mehr muss man sich dann eben auf die vorgegebenen Regeln einlassen. Die gefallen einem nicht? Niemand zwingt euch „Das schwarze Auge“ zu spielen. Wollt ihr das aber, dann müsst ihr entweder eine passende Edition finden oder euch halt die Arbeit machen und „Hausregeln“ erfinden oder ein anderes oder eigenes System finden, das für euch passt. Es gibt so viele unterschiedliche Gruppen, Arten zu spielen, Arten des meisterns… es wird niemals die perfekten Regeln für alle geben.

Das schwarze Auge – Editionsfrage
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